Bad Salzdetfurther Doppelkopfregeln

Die folgende Doppelkopfregeln haben sich über die Jahre im Schachclub und Freundeskreis eingespielt.

  1. Die Karten
  2. Die Trümpfe
  3. Spielablauf
  4. Sonderpunkte
  5. Ansagen
  6. Abrechnung
  7. Nicht-Solo-Vorbehalte
  8. Soli
  9. Verwerfen

Kommentare

 

1. Die Karten

Es wird mit 2x24 Karten (32er Blätter ohne Siebener und Achter) gespielt, also MIT Neunen (ganz wichtig!)

2. Die Trümpfe

Von oben nach unten:

©10 ("Dulle")
§Dame, ªDame, ©Dame, ¨Dame
§Bauer, ªBauer, ©Bauer, ¨Bauer
¨As , ¨10, ¨König, ¨Neun

Zweite ©10 sticht erste!

3. Spielablauf

Nach dem Austeilen und Aufnehmen der Karten schweigen die Spieler (="Gesund") oder melden einen Vorbehalt an.

Es gibt Solo-Vorbehalte: Trumpfsolo, Damensolo, Bubensolo, Fleischlosensolo
und nicht Solo-Vorbehalte: Hochzeit, Schweinchen, Trumpfabgabe

Zuerst werden die Solo-Vorbehalte geklärt: Der erste Vorbehalt links vom Geber kündigt keine Solo bzw. seinen Solo an. Im Solofall können die dahinter liegenden Vorbehalte dann nur einen höherwertigen Solo (mit mehr Trumpf, also Trumpf >Damen=Buben>Fleischlos) ankündigen oder aufgelöst sagen.

Ansonsten geht der "kein Solo reihum".

Danach werden die Nicht-Solo-Vorbehalte in der gleichen Spielerreihenfolge geklärt, wobei hierbei die Spieler auch die Möglichkeit haben, ihren Vorbehalt einfach aufzulösen.

Bei allen Spielen außer Soli und Trumpfabgabe beginnt nun der links vom Geber sitzende Spieler mit dem Ausspiel.

4. Sonderpunkte

Es gibt jeweils einen Sonderpunkt für:

5. Ansagen

Ansagen müssen jeweils fortlaufend mit spätestens der 5., 9., 13. usw. Karte auf dem Tisch erfolgen.
Möglich sind: Re, Contra, keine 90, keine 60, keine 30, Schwarz. (Bsp.: vor 1. Karte "Re", nach 9. Karte "keine 90", nach 13. Karte "Contra" (die Contra-Partei ist der Meinung, die 90 einzusammeln)).

6. Abrechnung

Jeweils 1 Punkt gibt es für: keine 120, keine 90, keine 90 angesagt, keine 60, keine 60 angesagt, keine 30, keine 30 angesagt, Schwarz, Schwarz angesagt, gegen die Alten.
Danach wird bei Re-Ansage verdoppelt und bei Contra-Ansage (nochmal) verdoppelt. Zum Schluß werden die Sonderpunkte draufaddiert bzw. subtrahiert.

Wenn eine keine 90 etc. Ansage kaputt gemacht wird, bekommt man auch nur das, was man erreicht hat. (Z.b. keine 90 angesagt 1 , kaputt gemacht +1 = 2, gegen die Alten +1 = 3, Re x 2 = 6

7. Nicht-Solo-Vorbehalte

Schweinchen: Wer beide ¨Asse hat, hat das Recht, Schweinchen anzusagen. Die ¨Asse sind dann in diesem Spiel die höchsten Trümpfe (über den ©10nen). Mit der Schweinchenansage ist eine Pflicht-Ansage "Re" oder "Contra" verbunden. Die "Re" oder "Contra"-Ansage erfolgt, nachdem alle Vorbehalte erledigt sind.

Hochzeit: Der erste Fehlstich in fremder Hand geht mit. Der Hochzeitsspieler hat hierfür 3 Stiche Zeit. Falls er innerhalb der ersten drei Stiche keinen Fehlstich abgibt, spielt der Hochzeitsspieler allein weiter (Solo). Für die Contra- und Re-Ansagen gibt es keine Sonderregeln, außer das ein Contra sich in ein Re verwandelt, sobald der Spieler mit der Contra-Ansage heiratet.
Sonderregel: Die Nicht-Hochzeitsspieler können den Hochzeitsspieler nicht mit Trumpf zwangsisolieren. In diesem Fall verlängert sich die Partnersuchezeit um jeweils einen Stich.
(Bsp: Die Nicht-Hochzeitsspieler spielen zweimal
©10 vor und dann Trumpf nach (3. Stich, kein Fehlstich!). Der Hochzeitsspieler hatte keine Chance, in den ersten drei Stichen Fehl auf den Tisch zu bringen. Die Partnersuchezeit verlängert sich nun um einen Stich. Der Hochzeitsspieler sollte jetzt allerdings den Stich mit der §Dame einsammeln und einen kleinen Fehl anspielen.)

Trumpfabgabe: Wer (im nicht Solo-Fall, natürlich) nur drei Trumpf oder drei Trumpf plus ¨As (kein Schweinchen) hat, hat das Recht auf Trumpfabgabe. Es dürfen auch zwei Trumpf und zwei ¨Asse geschoben werden, diese sind dann allerdings kein Schweinchen.
Jetzt haben die Spieler links vom Trumpfabgebenden reihum die Möglichkeit, die Trümpfe aufzunehmen und dafür die gleiche Anzahl an Karten zurückzuschieben. Wenn Trumpf zurückgeschoben wird, muß dies angesagt werden. Diese beiden Spieler spielen dann zusammen und bilden die Re-Partei. Sonderfall: Einer der beiden anderen Spieler hat leichtsinnigerweise Hochzeit angesagt, in diesem Fall bilden sie die Re-Partei. Schweinchen basteln ist nicht möglich, die Schweine müssen vor dem Schieben in einer Hand stecken.
Der Spieler links vom Geber beginnt mit den Ausspiel. Wenn niemand genommen hat, wird nochmal gegeben.

8. Soli

Der Solospieler spielt immer aus außer bei der stillen Hochzeit!

Trumpfsolo: Der Solospieler erklärt eine Farbe zum Trumpf, die dann die ¨Trümpfe ersetzt (auch Karo). Die Trümpfe ©10, Damen und Buben bleiben unverändert. "Schweinchen basteln" durch eine andere Farbe ist nicht möglich, es gibt also nur Schweinchen bei Karo-Trumpf-Solo. Alle Sonderpunkte bleiben bestehen außer gefangenem Fuchs bei Nicht-Karo-Solo.

Bubensolo: Wie Gand beim Skat. Nur die Buben sind Trumpf. Keine Sonderpunkte (gibt es beim Skat ja auch nicht...). Fehl in der Reihenfolge As, 10, K, D, 9.

Damensolo: Analog dem Bubensolo, nur sind hier halt die Damen statt der Landwirte Trumpf. Keine Sonderpunkte.

Fleischlosenloso: Es gibt keinen Trumpf. Alle Karten sind Fehl in der Reihenfolge As, 10, K, D, B, 9.

Abrechnung: Wie Normalspiel. Hinterher bekommt der Solospieler das Ergebnis x 3 gutgeschrieben, die anderen einfach abgezogen. Gegen den Solo gewonnen zählt wie "gegen die Alten" einen mehr.

Außer bei stiller Hochzeit gibt hinterher der gleiche Spieler nochmal, da ja der links vom Geber sitzende Spieler um seine Vorhand bei normalen Spiele gekommen wäre.

9. Verwerfen

i) Wer sich verwirft, während der Verwirf-Stich noch auf dem Tisch liegt bzw. noch kein weitere Stich angefangen wurde, hat die Option, sein Versehen noch gut zu machen, und gekommt eine Verwarnung. Im Wiederholungsfall stehen die 6 Minuspunkte unter ii) zur Debatte

ii) Wer sich verwirft, bekommt 6 Minuspunkte, die anderen Spieler jeweils 2 Punkte gutgeschrieben. Wenn die bei einem teuren Spiel passiert, können a) die Spieler der teueren Gewinnerpartei darauf bestehen, zu rekonstruieren oder so weiterzuspielen, um die Punkte für ihr teures Spiel zu bekommen oder b) falls dies nicht möglich ist, eine höhere Bestrafung als die 6 Minuspunkte zu fordern.

Dies ist der einzige § der Bad Salzdetfurther Doppelkopfregeln, wo eine gewisse Auslegung möglich ist. Wir spielen ja Doppelkopf, um Spaß zu haben, und zu später Stunde nach anstrengen Schachpartien greift man schonmal daneben.

 

Kommentare (vom Autor, Holger Buck)

Habe ich irgendetwas wichtiges vergessen oder unklar formuliert?
Bitte Mail an mich:
Holger Buck

Zu 1. Die Karten

Das Doppelkopf-Spiel ohne Neuen verliert sehr viel an Wert und Reiz. Die Verfechter argumentieren mit blödsinnigen Kommentaren wie "Jeder Stich muß was zählen" und so. Das bedeutet aber nur, das gute Blätter aufgewertet werden, da ja jeder Stich etwas zählt. Das Spiel wird eintöniger, man bekommt auf die Top-Karten automatisch schöne Punkte und die Möglichkeiten für die Spieler mit schlechten Blättern werden start eingeschränkt. Eintönig und langweilig! Anfänger-Doko.

Zu 2. Die Trümpfe

Zweite ©10 sticht erste. Wenn dies nicht wäre, wäre die ©10 eine Art Joker, den immer ohne Angst draufballern kann. Aber so muß man schon ein wenig aufpassen und taktischer Spielen. Diese Regel macht das Spiel interessanter.

Zu 4. Sonderpunkte

Mit den Sonderpunkten sollte man es nicht übertreiben, den schließlich sollte es im Vordergrund stehen, 120 Punkte und mehr einzusammeln. Wenn es auch noch "©10 gefangen", "Karlchen gefangen", "Doppelkarlchen" oder "Fuchs im letzten Stich gefangen" geben würde, würden die Sonderpunkte zu sehr im Vordergrund stehen. Außerdem ist eine gefangenen Dulle schon Strafe genug...

Zu 7. Nicht-Solo-Vorbehalte

Die Sonderregel bei der Hochzeit wurde (notwendigerweise) eingeführt, nachdem ich den Hochzeitsspieler mal so richtig mit Contra, keine 90 angesagt, zweimal Schwein ausspielen, Dulle ausspielen, dann meine Fehlasse ziehen so richtig ausgezogen hatte (rechnen Sie besser nicht nach).

Zu 8. Soli

Der Solospieler hat Ausspiel: Sonst würde es kaum Soli geben.
Natürlich gibt es keine Pflicht-Soli: Die sind der totale Schwachsinn. Da bekommt man den ganzen Abend keinen Solo, und wird dann auch noch dafür gestraft, in dem man einen Spielen muß, der keiner ist.

Und noch was zum Abschluß:

Bockrunden sind genauso schwchsinnig. Warum sollen manche, sonst gleiche Spiele, doppelt so viel zählen wie andere? Wenn ich hinten liege, produziere ich sonst nur billig Bockrunden, und bin mit einem Glücks-Oma-Hammerblatt bei den Bockrunden saniert. Erhöht nur den Glücksfaktor.