Ist denn schon wieder Sommer?

Die Temperaturen erhöhen sich und die Sonne zeigt sich langsam wieder etwas häufiger, der Sommer steht wieder vor der Tür. Der geübte Schachspieler weiß, dass damit nicht nur die dunklen Jahreszeiten enden, sondern auch die Saison unserer Mannschaften und so hieß am am Sonntag Saisonabschluss in Peine.

Da sowohl wir als auch unsere Gastgeber nicht mehr aufsteigen oder absteigen konnten, konnten wir es uns morgens um 10 Uhr in unseren Stühlen gemütlich machen. Durch diese entspannte Ausgangslage war es nicht allzu schmerzhaft, dass nicht nur wir, sondern auch Peine nicht vollständig antreten konnte.

Spielstand noch vorm ersten gespielten Zug: 1:1

Kommen wir nun zum schachlichen Part. Dort entwickelten sich die meisten Bretter zu einer natürlichen Partie. Alle Bretter? Nicht alle Bretter. An meinem eigenen Brett ergab sich schnell die Möglichkeit die Partie in eine sehr wilde taktische Richtung zu lenken, indem ich meinen Springer opfere um den gegnerischen König ins Zentrum zu treiben. Die entstandene Stellung ähnelt sehr stark dem bekannten Springeropfer in der preußischen Partie:

 

In dieser Stellung kann Weiß mit 0-0 oder a4 (La2 ermöglichen falls Sa5 kommt) eine ausgeglichene Stellung erreichen. Nicht aber xd4?? hätte Schwarz hier Sxd4 De4 b5 gespielt rennt Weiß die ganze Partie nur noch hinterher. Mein Gegner entscheidet sich zum Glück für Sa5 woraufhin ich Lg5! spielen kann und zumindest eine sehr zweischneidige Partie forcieren kann. Dazu später mehr.

Werfen wir nun einen Blick auf die anderen Bretter. An Ralfs Brett wurden die Damen sehr früh getauscht, er hat es daraufhin geschafft einen sehr schönen Bauernvorstoß am Damenflügel zu spielen. Mit dem a und b-Bauern hat er es schon bis auf die 6. Reihe geschafft und ich war guter Dinge, dass er diesen Vorteil in einen Sieg umwandeln kann. Doch leider passieren Ralf dann gleich zwei große Fehler in sehr kurzem Abstand. Erst verliert er einen der beiden starken Bauern und dann auch noch eine Figur. Punkt für Peine.

Und auch bei Nauras sieht die Stellung gar nicht mehr gut aus. In einer strategisch leicht schlechteren Mittelspielstellung findet sein Gegner eine schöne Taktik, die ihm ein Endspiel mit zwei Mehrbauern beschert. Wenig später muss Nauras sich geschlagen geben.

Neuer Spielstand: 3 zu 1

Bei Hui sah es zwischenzeitlich ziemlich gut aus. Sie konnte mit einem schönen taktischen Motiv den Zentrumsbauern ihres Gegners gewinnen, doch dies öffnete auch die Linien für seine Türme. Nun hätte Hui sehr genau spielen müssen um den eigenen Zentrumsbauern halten zu können, doch die gegnerischen Türme werden im Zusammenspiel mit dem Springer zu aktiv und Hui kann ihren Mehrbauern nicht halten. Im daraus folgenden Endspiel gibt es keine Möglichkeiten mehr auf Sieg zu spielen. Das Spiel geht Remis aus.

Neuer Spielstand: 3,5 zu 1,5

Es spielen nun nur noch Martin, Mo und Leo. Martin geht inzwischen sehr unzufrieden durch den Raum und beschwert sich über die Stellungen seiner Mitspieler. Doch ich hatte die Stellungen zu dem Zeitpunkt anders eingeschätzt. Mo und Martin stehen zwar minimal passiver, aber da liegt kein großer Vorteil für die Gegner vor und es kann noch sehr viel passieren. An meinem Brett habe ich zwar immer noch eine Figur weniger, aber die Stellung ist alles andere als klar. Werfen wir da doch erneut einen Blick drauf:

 

Mein Gegner konnte sich ein wenig befreien, indem er seinen Springer auf d5 gegen meinen Läufer auf g5 getauscht hat. Außerdem konnte er seinen König etwas zurück spielen und ein paar Figuren entwickeln, doch dafür habe ich nun rochiert und bin bereit die offenere Stellung mit meinen Türmen auszunutzen. Konkret hat die Dame soeben von f4 aus einen Bauern auf d4 geschlagen, doch das kann sich die schwarze Stellung nicht leisten. Dg3 (siehe Diagramm) und Weiß steht extrem aktiv!

 

Die Initiative liegt nun klar bei Weiß, aber zeitlich sind wir nun in einem sehr gefährlichen Bereich. Ich habe bereits unter 5min auf der Uhr und mein Gegner befindet sich unter 20min. Doch der 40. Zug ist noch sehr weit entfernt, vorher wird es eine Entscheidung auf dem Brett geben. Schwarz versuchte nun mit Ld7 seine Entwicklung weiter voran zubringen, doch das ermöglicht Lxb7! und die Stellung öffnet sich noch weiter.

 

Nach ein paar sehr schnell gespielten Zügen gelangen wir in folgende Stellung:

Die weiße Aktivität zwingt Schwarz zu schweren Entscheidungen, doch Weiß hat weiterhin eine Figur weniger. Wenn Schwarz es schafft die nächsten Züge zu überleben könnte der weiße Angriff vorbei sein. Doch Td3 muss hier unbedingt mit e4 erwidert werden. Mein Gegner spielt jedoch Ke7 und der abenteuerliche Angriff geht weiter.

Mein Gegner befindet sich nun auch unter 5min und da kommt es dann auch zum finalen Fehler. Der ständige weiße Druck zahlt sich aus und mein Gegner spielt im 29. Zug e4??

 

Neuer Spielstand: 3,5 zu 2,5

Es spielen jetzt nur noch Mo und Martin und wir brauchen unbedingt noch einen Sieg. Mo konnte seine leicht passivere Stellung mittlerweile in eine ausgeglichene Stellung umwandeln. Und dort findet er zuerst ein sehr schönes Damenmanöver um dann mit einem mindestens genau so schönen Springermanöver die weiße Stellung seines Gegners zum Zusammenfallen zu bringen. Mo gewinnt!

Neuer Spielstand: 3,5 zu 3,5

Martin muss nun also sein Damenendspiel Remis halten um uns zumindest ein Mannschaftsremis zu sichern. Doch leider unterläuft ihm dabei eine spielentscheidende Fehleinschätzung. Martin denkt dass er die Damen tauschen kann und das daraus resultierende Bauernendspiel Remis halten kann, aber Martin geriet in Zugzwang!

Endergebnis: 4,5 zu 3,5

 

Und mit diesem Spiel geht unsere durchaus erfolgreiche Saison zu Ende. Wir holten 9 Mannschaftspunkte, waren nie chancenlos und waren auch nie in Gefahr abzusteigen. Nächstes Jahr heißt es dann wieder ganz oben mit anzugreifen!

 

An dieser Stelle noch einmal großen Respekt an Jörn und Ralf für diese starke Saison! Auch Mo und Nauras spielten eine super Saison und holten über 50% der Punkte! Ich freue mich schon jetzt auf die neue Saison mit euch allen!